ÜBER DIESE SEITE  (Aktualisiert am 10-02-2019) Ein Luxemburger beginnt zu spielen In meinem Regal liegt schon seit über 20 Jahren das Spiel RISIKO, das ich jedoch früher nie gespielt habe. Ich habe schlichtweg die Anleitung nicht verstanden. Dann gab es noch ein Schachspiel, ein VIER GEWINNT, ein MENSCH ÄRGERE DICH NICHT und das zur Pflicht gehörende MONOPOLY. Und das war´s dann auch schon. Gespielt habe ich die Spiele eigentlich nie. VIER GEWINNT hatte längst seinen Reiz verloren, bei MONOPOLY gewinnt eh immer der, der die Schlossallee besitzt, und bei MENSCH ... rege ich ich mich einfach zu sehr auf … Ende 2006 verbrachte ich wegen starker Depressionen 3 Monate in einer Klinik in Bad Neuenahr. Schon nach wenigen Tagen brachte mich das Nichtstun fast um, denn meine Therapie erlaubte mir sehr viel Freizeit. Es gab einen grossen Raum, in dem ein Klavier stand, und in den Schränken lagen einige Gesellschaftsspiele, die aber kaum noch spielbar waren, da Teile fehlten oder die Kartons kaputt und total zerfleddert waren. Zusammen mit einigen anderen Patienten legte ich die Spiele enttäuscht in den Schrank zurück. Bei einem Spaziergang durch die kleine Stadt entdeckte ich dann ein kleines Geschäft, das u.a. viele preisgünstige Gesellschaftsspiele im Angebot hatte. Ich kaufte mir CARCASSONNE. Kaum in der Klinik wieder angekommen, packte ich es aus und las die Anleitung durch. Bald schon gesellten sich neugierige Patienten zu mir, und schnell hatte uns das Spielfieber gepackt. Wir trafen uns immer öfter zum Spielen, und ich ging immer wieder zum Geschäft zurück und kaufte Nach- schub. 3 Monate lang war ich der beste Kunde des Verkäufers. Dazu eine kleine Anekdote. Ich hatte von einem Kartenspiel namens POPELN gehört und fragte, ob es zufällig vorrätig sei. Der Verkäufer sah mich skeptisch an :"POPELN, was soll das denn für ein Spiel sein ?" Ich erklärte ihm, dass es da anscheinend Karten mit Nasen gab und mit Fingern, die in die Nasen passten. So ähnlich hatte ich es jedenfalls verstanden. Der Verkäufer legte seinen Kopf schief und lächelte freundlich :"Sie sind aus der Klinik, nicht ?" Wie dem auch sei : ich kam mit einem Koffer in die Klinik und ging mit zwei - einer davon gefüllt mit Spielen. Meine Depressionen hatte ich inzwischen einigermassen im Griff, doch ich ging nach Hause mit einer weiteren, jedoch harmloseren Krankheit : ich war zum besessenen Spiele-Sammler geworden. Luxemburger spielen (noch) nicht Kaum war ich wieder zu Hause, begann ich nach der Suche nach neuen Spielen - was jedoch nicht so einfach war. Zwar gibt es viele Spielzeuggeschäfte, aber wenige, die (anspruchsvolle) Spiele im Sortiment haben. So musste ich immer wieder nach Trier fahren, um Nachschub zu holen. Bald begann ich, die Spiele im Internet zu kaufen. Meine Sammlung wurde grösser und grösser, doch : Mitspieler fand ich keine. Zuerst versuchte ich, meine Familie für´s Spielen zu gewinnen, doch es bedurfte viel Überzeugungskraft, meine Nichten dazu zu bewegen. Klopfte ich bei Freunden an, hiess es meistens - och nö, Monopoly und Co, das mag ich nicht. Und während ich zu erklären versuchte, dass es tolleres ausser Monopoly gab, griffen meine Gesprächspartner demonstrativ zur Wii und zum Gameboy. Ich war allein auf weiter Flur. Ich beschloss, einen Spiele-Club zu gründen. Da es in meiner Gemeinde - auf meine Anfrage hin - anscheinend keine freien Räume gab, die man mir zur Verfügung stellen konnte, bot man mir an, meine Spiele doch im Gebäude des neu eröffneten Altersheims vorzustellen und die Leute aus der Gemeinde dazu einzuladen, sie dort für sich zu entdecken. Ich war über die Idee nicht besonders glücklich, versuchte aber mein Glück. Ich verbrachte mehrere Stunden dort, aber niemand kam. Nur ein älteres Paar, zwei Deutsche, kamen auf mich zu und bekundeten ihr Interesse, sich öfter zum Spielen zu treffen. So lernte ich Nelly und Josef kennen, und seitdem treffen wir uns mindestens einmal pro Monat und spielen. Kurz darauf kam Andre dazu, und dann Marly. Komisch - alles Deutsche. Seltsam ... Spielen die Luxemburger denn nicht ? Und dann - oh Wunder - öffnete plötzlich ein Spieleclub in Gosseldange seine Pforten, die Spillfabrik. Kein Thema, da musste ich unbedingt Mitglied werden. Dort wurde einmal pro Woche gespielt - herrlich ! So begann ich, hin und wieder dort zum Spielen aufzutauchen. Doch leider konnte ich nur selten zum Spielen hinfahren, mir fehlte einfach die Zeit. Man muss wissen, dass ich in erster Linie immer noch Hobbymusiker bin und gerne im Studio an neuen Songs tüftele, was sehr zeitintensiv werden kann. Nach einem Jahr verliess ich - bis auf weiteres - und schweren Herzens, den Club. Es bewegt sich etwas Inzwischen habe ich immer wieder hier und da einen Spiele-Abend, auch mit Luxemburgern und guten Freunden, die ich inzwischen sogar überzeugen konnte, dass es in Sachen Gesellschaftsspiele wirklich tolle Sachen gibt. Wenn mich jemand fragt, ob ich nicht mal zu Besuch kommen und ein Spiel mitbringen will, nehme ich eigentlich immer DER PALAST VON ALHAMBRA mit, denn dieser Klassiker hat alles, was man braucht, um neugierig zu machen : es gibt keine Würfel, kaum jemand kennt es, es besitzt eine kleine Portion Taktik (man wird nicht gespielt) und die kleine nötige Ration an Ärgerfaktor. Schönes Material und einen tollen Mechanismus. Ich habe festgestellt : wer es einmal gespielt hat, fragt mich nach einem erfolgreichen Abend gleich : was hast du noch so Tolles in der Sammlung ? Und wann können wir uns wieder treffen ? …